Zäune oder Türen?

Ein paar Gedanken zu Kapitel 15 der Apostelgeschichte.

Das ist schon eine komische Frage, oder nicht?! Den Gartenzaun kann man doch nicht mit der Tür ausspielen. Nein, dass kann man auch nicht. Aber es lohnt sich schon einmal darüber nachzudenken, worauf man den Schwerpunkt legen würde. Ein Zaun setzt Grenzen, so bunt er auch sein mag. Grenzen können aber durchaus auch vernünftig sein. Zum Beispiel möchte ich das Wildschwein lieber auf meinem Teller als Braten haben und nicht in meinem Garten als Bodenauflockerer. Aber ohne Tür im Zaun mache ich es mir selbst schwierig Besuche zu machen oder zu empfangen. Wäre ja doof, immer über den Zaun springen zu müssen, so bunt und nützlich er auch sein mag. 

Als die christliche Gemeinde entstand und immer weiter wuchs, freuten sich alle unheimlich. Es kamen auch viele Menschen zum Glauben, die keine Juden waren. Die Wurzeln blieben aber unverrückbar jüdisch und waren im Gesetz des Mose und bei den Propheten zu finden. Das konnte man nicht einfach so übergehen. 

Wie sollte man nun den gemeinsamen Glauben leben? Welche Regeln sollten alle beachten? Wie konnte er gleichzeitig klar und auch einladend sein? Und da sind wir schon bei Zaun und Tür. Da ging es noch nicht mal um die Frage, ob und wann es einem zu bunt würde. Ganz im Gegenteil! Es ging wirklich um wichtige Dinge. So ging es in der Diskussion auch hoch her. Doch schließlich kam man einmütig auf die Lösung. Sie wurde zwar immer wieder bis heute hinterfragt.  Wem darf aber auf keinen Fall widersprochen werden? Worum geht es eigentlich? 

Nun, es geht um Gott, um das Ich und das Du. Da ist Gott, der uns einlädt. Da bin ich, der ich die Einladung annehme. Da ist mein Gegenüber, den Gott auch eingeladen hat, und dem ich das nicht verwehren darf. Nehme ich nur eines davon weg, bricht unser Glaube zusammen.

Gott kennt unsere Herzen. Er beschenkt uns mit seinem Geist. Er macht keinen Unterschied zwischen uns. Er putzt uns durch den Glauben so richtig heraus.” 

So hören wir Petrus in Apostelgeschichte 15,8-9 sagen. 

Dann hören wir Paulus und Barnabas von ihren Erlebnissen erzählen. Sie berichten, wie Gott an den so ganz anderen Menschen gehandelt und ihnen die Tür zu seiner Liebe geöffnet hat. Jakobus stimmt dem zu und fasst zum Schluss alles zusammen. 

Worum geht es allen? Unser Glaube lebt nicht von Regelwerken, sondern Beziehungen. In der Mitte steht Gott, der uns unheimlich lieb hat und Versöhnung anbietet. Um ihn herum stehen wir alle und dürfen uns die Hände reichen. Nehme ich nur eines davon weg, bricht unser Glaube zusammen. Das ist der Grund, warum die folgenden drei Regeln eingeführt werden. Nachzulesen in Apg 15,20 und 29. 

Erstens: Keine Götzen, also anderen Götter als den einzigen, der sich durch Jesus (be)greifbar gemacht hat. 

Zweitens: Kein beliebiger Lebenstil. Christliche Ethik lebt vom heilenden Miteinander in der Lebensgestaltung. Konkret spricht Jakobus den sexuellen Bereich an. Es ist nicht egal, wie wir ihn gestalten.

Drittens: Kein respektloses Verhalten im Miteinander. Blut ist das Symbol des Lebens schlechthin. “Im Blut ist das Leben.” So steht es im Gesetz. Das soll in der Begegnung mit Juden auch respektiert werden. Da geht es nicht um Aberglaube, sondern um Nächstenliebe. 

Gott, ich und Du – um dieses Miteinander geht es. Das dürfen wir auf keinen Fall hinterfragen. Denn genau darin liegt der Kern aller Beziehungen: die Liebe Gottes. Um ihn geht es. Und er will uns alle zusammen und nicht einzeln für sich. Das ist der Zaun, der uns schützt. Den können wir anmalen, wie wir wollen. 

Dieser Zaun ist ein Signal der Liebe Gottes. Es ist die Liebe, die durch Jesus fassbar wird. Orientieren wir uns an ihm mit unseren Stärken und Schwächen, Ideen, Einsichten und Erwartungen. Denn er, Jesus, ist die offene Tür, die große Einladung Gottes, miteinander Leben und Glauben zu gestalten.