Weihn’achten’ – auf das Geburtstagskind achten (Matthäus 2,1-12)

Predigtmanuskript

An Weihnachten feiern wir die Geburt von Jesus. Gott wird Mensch, kommt auf die Erde. Er zeigt damit, dass er auf seine Geschöpfe achtet. Er beachtet sie, lässt sie nicht links liegen, vergisst sie nicht, stellt sie in den Mittelpunkt seines Interesses. Und als er das macht, beginnt auch der eine und andere seiner Geschöpfe auf dieses neugeborene Baby zu achten, das so gar nicht nach einem Sohn Gottes aussieht.

Doch ganz egal, damals wie heute - die Geburt eines Kindes ist jedes Mal neu und wieder neu etwas Besonderes. Nachdem die Schwangerschaft klar ist, werden viele Vorbereitungen getroffen - heute wahrscheinlich viel mehr als damals zu der Zeit, als Jesus geboren wurde. 

Deswegen spricht man schon seit langer Zeit davon, dass eine schwangere Frau in Erwartung ist, die meisten hoffentlich in froher Erwartung. Bei Maria war das gar nicht so klar. Ich denke, sie war noch ganz durcheinander von dem, was da mit ihr passierte. Ihrem Mann Joseph ging es nicht anders. Irgendwie sollte es sein Kind sein, aber war dann doch nicht seins. Gott selbst stellte seine Ansprüche. Und der achtete ganz besonders darauf, dass diese Familie zusammenblieb. 

Trotzdem blieb dieser kleine Nebengeschmack besonders bei den Nachbarn in Nazareth. Denn die Menschen im Heimatstädtchen achteten auf einen in einer Weise, auf die man gerne verzichten konnte. Da kam es ganz gelegen, dass man nach Bethlehem musste, um sich in die Steuerlisten einzutragen. Abgesehen davon könnte es ja auch Nachteile haben es nicht zu tun.

Irgendwie war für Joseph auch keine Zeit darauf zu achten rechtzeitig einen Platz im Gasthaus zu buchen. Andererseits war es auch gar nicht nötig gewesen. Denn die Tante Elisabeth wohnte mit ihrem Mann Zacharias ja ganz in der Nähe von Bethlehem. Die würden sie bestimmt aufnehmen. Dann kam aber alles anders. Der kleine Jesus achtete nicht auf die schnelle Planung von Joseph und Maria. Der Kleine drängelte und kam dann in einem Stall zur Welt, ganz unbeachtet von der Welt. 

Wir kennen die Geschichte. Lassen wir uns heute doch mal ein auf ihren zweiten Teil, den Besuch von ein paar gutbetuchten Ausländern beim neugeborenen Jesus. Und schauen wir mal, welche Beachtung er findet. Die verhalten sich ganz anders, als die Nachbarn und andere, die von der Geburt hören.

1 Jesus wurde in Betlehem in Judäa geboren, zur Zeit, als König Herodes das Land regierte. Bald nach seiner Geburt kamen Sterndeuter* aus dem Osten nach Jerusalem 2 und fragten: »Wo finden wir den neugeborenen König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um uns vor ihm niederzuwerfen.«

3 Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem. 4 Er ließ alle führenden Priester und Gesetzeslehrer im Volk Gottes zu sich kommen und fragte sie: »Wo soll der versprochene Retter geboren werden?« 5 Sie antworteten: »In Betlehem in Judäa. Denn so hat der Prophet geschrieben: 6 ›Du Betlehem im Land Juda! Du bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten in Juda, denn aus dir wird der Herrscher kommen, der mein Volk Israel schützen und leiten soll.‹ « 7 Daraufhin rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und fragte sie aus, wann sie den Stern zum ersten Mal gesehen hätten. 8 Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte: »Geht und erkundigt euch genau nach dem Kind, und wenn ihr es gefunden habt, gebt mir Nachricht! Dann will ich auch hingehen und mich vor ihm niederwerfen.«

9 Nachdem sie vom König diesen Bescheid erhalten hatten, machten sich die Sterndeuter auf den Weg. Und der Stern, den sie schon bei seinem Aufgehen beobachtet hatten, ging ihnen voraus. Genau über der Stelle, wo das Kind war, blieb er stehen. 10 Als sie den Stern sahen, kam eine große Freude über sie. 11 Sie gingen in das Haus und fanden das Kind mit seiner Mutter Maria. Da warfen sie sich vor ihm zu Boden und ehrten es als König. Dann holten sie die Schätze hervor, die sie mitgebracht hatten, und legten sie vor ihm nieder: Gold, Weihrauch und Myrrhe. 12 In einem Traum befahl ihnen Gott, nicht wieder zu Herodes zu gehen. So zogen sie auf einem anderen Weg in ihr Land zurück. 

(Matthäus 2,1–12 aus der Gute Nachricht Übersetzung der Bibel)

Das ist die zweite Weihnachtsgeschichte. Neben den Hirten tauchen hier noch andere Menschen auf. Die sozialen Schichten werden bei der Geburt von Jesus auf jeden Fall gut durcheinander gemischt. In dieser achten die Parteien jedenfalls jeder auf etwas ganz anderes. Da sind die Weisen, da sind die Schriftgelehrten, dann der König Herodes, und schließlich das Baby Jesus. Schauen wir doch mal.

Da sind zuerst die fremden weisen Männer - die achten auf einen Stern und suchen einen König

Drei Geschenke bringen sie mit: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Mindestens zwei der Geschenke wären heute ziemlich ungewöhnlich. Doch darum soll es jetzt nicht gehen. Zumindest achten sie darauf die Geschenke nicht zu vergessen. Diese Männer achten aber nicht nur auf Höflichkeit und Etikette. Sie achten auf Sterne und ihre Bedeutung. Und genau auf das zweite kommt es an, die Bedeutung für uns Menschen.

Diese Fremden waren Astronomen. Sie waren Mathematiker, Wissenschaftler, Universalgelehrte sozusagen. Was sie von vielen Menschen unterscheidet ist, dass sie nicht nur einen Faktencheck durchführen, sondern auch einen Bedeutungscheck. Sie achten nicht nur auf die Vermehrung ihres Wissens. Es geht ihnen besonders darum, was für eine Bedeutung das neue Wissen für sie persönlich und die ganze Menschheit hatte. 

Diese etwas anderen Wissenschaftler machten sich also auf einen langen Weg aus dem Osten - wo auch immer das genau war - in Richtung Judäa und Jerusalem. Genau da hofften sie Genaueres über ihre Entdeckung zu erfahren. Welche Bedeutung hat dieser neugeborene König also nicht nur für die Juden, sondern auch für alle anderen Menschen? 

Dass der örtliche König Herodes nichts von der Geburt eines neuen Königs wusste, fanden sie sicherlich seltsam. Abhalten ließen sich die Fremden auf jeden Fall nicht durch seine seltsame Reaktion. Als Wissenschaftler waren sie sich sicher, dass sie sich nicht geirrt hatten. 

Als Zweites kommen noch fromme und kluge Insider - die miss-achten das Wort vom König.

Herodes war überrascht und ratlos uninformiert. Abgesehen davon, dass er nicht wusste, dass er sehr bald sterben würde, hatte er schon erwachsene Söhne, die seine Nachfolge in den verschiedenen Regionen antreten würden. Ein anderer König wäre eine Bedrohung, der Einhalt geboten werden musste. 

Der erste Schritt war deswegen, seine eigenen Gelehrten zu Rate zu ziehen. Sollte es sich um diesen ominösen Messias handeln, von dem die Bibel sprach? Immerhin war das eins der großen Themen des Volks, das er regierte. 

Diese Schriftgelehrten, Priester und Theologen, kommen deswegen auch schnell auf die Lösung. Sie sind in ihrem Geschäft so bewandert wie die Fremden in der Astronomie. So finden sie im Buch des Propheten Micha die Lösung. Nicht weit entfernt, nur 20km, sollte irgendwann der Messias, der neue Retterkönig geboren werden. 

Das ist jetzt spannend. im Gegensatz zu den Fremden fragen die Einheimischen aber nicht nach der Bedeutung ihres Wissens. Sie halten das erstmal nur fest und bleiben vollständig unbeeindruckt. Da steht was in der Bibel. Man versteht es auch. Aber man zieht keine Schlüsse daraus. Sie achten nicht darauf. Es hat keine Bedeutung für sie. Sie machen sich nicht auf die Suche. Sie probieren nicht aus, ob es wirklich so ist oder zumindest so sein könnte. Ihre Theorien werden nicht zur Praxis.

Zuletzt kommt dann der große König, der den kleinen missachtet.

Herodes, das haben wir schon gehört, ist ratlos, dann irritiert und schließlich fühlt er sich bedroht. Er sucht als Laie sehr wohl nach der Bedeutung der neuen Entdeckung. Er achtet genau auf seine Gelehrten und auch auch auf die Fremden. Sein Plan steht fest. Der mögliche Nebenbuhler muss aus dem Weg geschafft werden. Er fragt nach der Bedeutung. Aber er versteht nicht worum es geht. Er sieht eine Bedrohung, wo ein großes Geschenk vor ihm lag.

Gott will auch ihn beschenken. Doch Herodes missachtet das Geschenk genauso, wie seine Gelehrten. Deswegen bedroht er den neugeborenen König und mit ihm zwei ganze Jahrgänge von Kindern. 

Gott achtet aber auf seinen Sohn. Er hat die Flucht schon geplant. Der kleine König Jesus entzieht sich dem Zugriff seines scheinbar so großen Landesfürsten. Er missachtet die Pläne der Menschen und ihre Fehlinterpretationen. 

Was bedeutet das? Worauf soll ich achten an Weihnachten?

Es geht auf jeden Fall nicht darum, die Geschenke und schönen Tradition, zum Problem zu machen. Es geht vielmehr um die Frage, was das alles bedeutet. Die Frage, die sich schließlich allen beteiligten Personen stellt ist, was sie aus ihrer Erkenntnis machen. 

Herodes Suche nach der Bedeutung geht in die falsche Richtung. Das richtige theologische Wissen der Gelehrten führt nicht dazu dem Geburtstagskind Beachtung zu schenken. Das Wort vom Sohn Gottes hat keine Relevanz für ihr Leben. 

Trotzdem ist es so, dass Gott sich etwas mit der Geburt von Jesus gedacht hat. Er hat es lange vorbereitet. Er hat immer wieder Zeichen gesetzt und Menschen neugierig gemacht. Und dann ist es soweit. Er bezieht Menschen aus ganz unterschiedlicher Herkunft in seinen Plan ein. Da ist das Mädchen Maria und der fromme Joseph, beide verunsichert. Da sind die Hirten, die jüdischen und auch die ausländischen Gelehrten und ein einflussreicher König dazu. Fast haben wir die Engel vergessen. Jeder trifft seine Entscheidung. Nicht alle kommen auf die Bedeutung, aber ein paar doch!

Worauf kommt es also an?

Es geht darum, dass wir etwas aus unserem Wissen machen. Wem schenken wir unsere Aufmerksamkeit? Wer findet unsere ganze Beachtung? Das ist die Frage. Freuen wir uns also an den vielen Geschenken und dem Beisammensein. Und lassen wir uns durch sie dann an das Wesentliche, an den Wesentlichen, erinnern.

• Wir dürfen Teil einer neuen Familie sein und unsere Familie mit hinein nehmen. 

• Wir dürfen einem Herrscher folgen, der uns beschenken will und nicht bedrohen.  

• Wir dürfen ihn immer mehr kennenlernen und verstehen, welche Bedeutung wir für ihn haben. 

• Und fragen wir uns doch auch, welche Bedeutung er für uns haben möchte.

Schenken wir ihm also wieder ganz neu Aufmerksamkeit. Das ist Weihnachten. Achten wir auf Jesus!

Amen